viennacontemporary

ZONE1

Anhand von zehn Positionen österreichischer bzw. in Österreich ausgebildeter KünstlerInnen unter 40 Jahren bringt die diesjährige Auswahl der ZONE1 eine facettenreiche Präsentation zeitgenössischen Kunstschaffens in präzisen Solopräsentationen zusammen. Von Selbstoptimierung, Informations- und Datentransfer im Internet und Materie als Informationsspeicher der menschlichen Zivilisation über die Erweiterung des Malereibegriffs und Strategien seiner räumlichen Erfahrung bis hin zu den Grundbedingungen künstlerischen Schaffens und der politischen und soziologischen Dimension von Kunst selbst stehen unterschiedliche Medien und Thematiken im Fokus der Projekte und Arbeiten der ausgewählten KünstlerInnen.“ Marlies Wirth, Kuratorin ZONE1. 

 

Der Künstler Peter Jellitsch (Galerie Clemens Gunzer) nimmt für seine neue, ortsspezifische Gesamtinstallation bei viennacontemporary die Geschichte des Internets zum Ausgangspunkt. Inspiriert von Steven Brands „Whole Earth Catalog“ (1968), den Steve Jobs als Vorläufer von Suchmaschinen wie Google bezeichnete, untersucht Jellitsch in neuen zeichnerischen Arbeiten unterschiedlicher Formate die Darstellbarkeit der Informationsübertragung im Internet. Mit dem Akt des (Auf-)Zeichnens unsichtbarer Daten trifft der Künstler eine Aussage über den Status Quo der vernetzten Kontrollgesellschaft des 21. Jahrhunderts und die Bedeutung von Information als Ressource und Kapital.

 

Die in Bregenz geborenen und in Berlin lebenden Konzept- und MedienkünstlerInnen Maria Anwander und Ruben Aubrecht (Galerie Lisi Hämmerle) arbeiten anlässlich der Präsentation in der ZONE1 erneut zusammen und entwickeln ein neues gemeinsames Projekt. In ihrer Arbeit hinterfragen sie das „Betriebssystem Kunst“ und die strukturellen Bedingungen der Kunstproduktion, des Kunstmarkts und der Institutionen dahinter.

 

Die Künstlerin Sarah Pichlkostner (Galerie Hubert Winter) arbeitet für ihre Präsentation in der ZONE1 an ihren zuletzt in der Galerie Hubert Winter gezeigten fiktiven Charakteren „KUY und KAY“ weiter, die sie aus ihrer Beschäftigung mit Apps zur Selbstoptimierung entwickelt hat. Wie ein „Echo“ der beiden aus der Vergangenheit soll sich ein dritter, neuer Charakter hinzugesellen, der sich in der Reflexion über den Gedanken der Optimierung mit dem Gefühl der Eifersucht befasst. Ihre Form finden die konzeptuellen Figuren in skulpturalen Settings aus Metallstangen und Spanngurten, die einen ambivalenten Schwebezustand einnehmen.

 

Neue Arbeiten wird auch die 1992 geborene Künstlerin Flora Hauser (Galerie Meyer Kainer) anlässlich der ZONE1 Einzelpräsentation zeigen. Persönliche Notizbücher und Texte bilden Basis und Ankerpunkt für ihre feinen, mit Farbstiften auf übergroße Leinwände gezeichneten Kompositionen, bei denen sie informelle Linien, Punkte und dezente Flächen bis ins kleinste Detail bewusst setzt und ausführt. Anders als ihre Texte, die konkrete Inhalte und Ordnungsversuche verbalisieren, bietet die Zeichnung der Künstlerin jedoch ein Feld, in dem sie „sich ins Wortlose flüchten“ kann. Die einzigen Worte, die sich an die Bilder binden, sind die Titel, durch die die Möglichkeit eines narrativen Moments entsteht.

 

Der in Berlin lebende österreichische Künstler Florian Schmidt (Philipp von Rosen Galerie) plant, bei viennacontemporary Werke aus der Serie „Proximity“ zu zeigen. Die zweidimensionalen Kompositionen aus Kartonstücken werden durch eine Holzkonstruktion zu räumlichen Objekten. Schmidt untersucht dabei das Verhältnis von (Bild-)Raum, Material und Farbe, das in einem für seine Arbeit charakteristischen Spiel mit der Wechselwirkung zwischen Zwei- und Dreidimensionalität resultiert. Auf dieses Zusammenspiel und Aufeinandertreffen der Farbflächen verweist auch der Titel „Proximity“ – Nähe, Nachbarschaft, Umgebung.

 

Mit ihrem Interesse für den Bereich Druckgrafik entwickelt die Künstlerin Theresa Eipeldauer (KROBATH) in unterschiedlichen Techniken, wie Siebdruck auf Leinwand oder Folie, durch das Verschieben und Überlagern von Formen und Farben komplexe abstrakte Strukturen, die den Eindruck bewegter Oberflächen erwecken. In neuen Arbeiten befragt Eipeldauer das Entstehen von Bedeutung und ästhetischer Wirkung durch die Ordnung der einzelnen Elemente; strenge, grafisch multiplizierte Bild- und Raumanordnungen deuten einen Übergang von bildnerischen in räumliche Dimensionen an.

Thilo Jenssen (KOENIG2) beschäftigt sich intensiv mit grundsätzlichen Fragen der Malerei und ihrer Erweiterung. Seine räumlichen Displays, deren Anordnung die Leinwände wie Krücken zu tragen und mit ihrem Umfeld zu verschränken scheint, zeigen die Ambivalenz von Halt und Einschränkung auf. Für viennacontemporary entwickelt der Künstler neue Arbeiten, die sich erneut mit dem Wechselspiel zwischen Statik und Perspektive befassen werden.

 

Unter dem Titel „On Painting“ wird Kay Walkowiak (Zeller van Almsick) in einer neuen raumgreifenden Installation das Machtgefüge aus Begehren und Aversion zwischen Subjekt und Kunstobjekt zur Diskussion stellen und neu verhandeln. Durch die Kunstgeschichte der Malerei traditionell mit Bedeutung belegte Primärmaterialen, wie Leinwand und Farbe, bilden die elementaren Bestandteile seiner skulpturalen Objekte, die als gesetzte Displays eine Choreografie der Referenzen auf den Formenkanon der Malerei des 20. Jahrhunderts eröffnen.

 

Mit der heuer zum ersten Mal an viennacontemporary teilnehmenden Berliner Galerie PSM kommt der dieses Jahr für den Future Generation Art Prize nominierte dänische Künstler Christian Falsnaes (PSM) nach Wien, der 2011 sein Kunststudium an der Wiener Akademie der bildenden Künste absolvierte. In seinen Arbeiten erforscht Falsnaes das Potenzial sozialer Dynamiken, indem er sein Publikum in performative Live-Situationen involviert. In der Interaktion aktiviert Falsnaes die Handlungsfähigkeit des Individuums und macht es zugleich zum Teil einer kollektiven Erfahrung. Für die Messepräsentation entwickelt er ein neues Projekt, das an seine Arbeit „Opening“ anknüpft. Dabei geht es um wechselnde Machstrukturen zwischen BetrachterInnen und Künstler, wenn Falsnaes – in Referenz zu Yoko Onos „Cut Piece“ – BesucherInnen auffordert, ihm seine Kleidung vom Körper zu schneiden und auf Keilrahmen zu heften. Aus der Performance entstehen Collagen mit den jeweiligen Stoffteilen – Arbeiten, die nicht vom Künstler, sondern von den BesucherInnen gemacht wurden.

 

Mit einer neuen, performativen Installation knüpft der Medienkünstler Samuel Schaab (unttld contemporary) an seine Arbeit mit unbelebter Materie als „Zivilisationsspeicher“ an. Die speziell für die ZONE1 entwickelten Arbeiten bilden eine prozesshafte Anordnung, die sich aus den Elementen Zeit und Veränderlichkeit konstituiert. Neben großformatigen hinterleuchteten Prints von Meteoriten wird ein schwerer Stein anhand eines auf einer 60-minütigen Tonbandaufnahme basierenden Zeitmusters verschoben. Eine Klangfläche des analogen Tonträgers wird jeweils nur dann für jenen Moment hörbar, während der Stein seine Position wechselt. Positionsmarkierungen, wie sie in Theater- und Filmproduktionen verwendet werden, verzeichnen die vergangenen Standorte des Steins und ergeben am Ende der Messedauer eine „Kartografierung des Unverrückbaren“, die als Destillat der Zeit ihr Territorium behauptet.

 

Die ZONE1 hat sich als bewährtes Format für die Präsentation junger KünstlerInnen etabliert und bietet auch dieses Jahr eine Reihe innovativer Projekte. Die Auswahl der KünstlerInnen erfolgt durch Marlies Wirth, Kuratorin am MAK – Österreichisches Museum für angewandte Kunst / Gegenwartskunst in Wien, und zeigt die gesamte Bandbreite junger zeitgenössischer Kunstproduktion: Fotografie, erweiterte Malerei und Skulptur bis zu Installation und Performance werden bei viennacontemporary in jeweils eigenen Sektionen zu sehen sein.

 

ZONE1 – 2017

Peter Jellitsch | Galerie Clemens Gunzer

Maria Anwander & Ruben Aubrecht | Galerie Lisi Hämmerle

Thilo Jenssen | KOENIG2

Theresa Eipeldauer | KROBATH

Flora Hauser | Galerie Meyer Kainer

Christian Falsnaes | PSM

Florian Schmidt | Philipp von Rosen Galerie

Samuel Schaab | unttld contemporary

Sarah Pichlkostner | Galerie Hubert Winter

Kay Walkowiak | Zeller van Almsick

 

Das Bundeskanzleramt Österreich unterstützt, so wie in den letzten Jahren, die Teilnahme junger KünstlerInnen aus Österreich in der ZONE1.