STATEMENT: Realities Building
STATEMENT wurde 2022 als direkte Reaktion auf den Krieg in der Ukraine von viennacontemporary ins Leben gerufen und wird von der ERSTE Stiftung unterstützt. Die Plattform widmet sich drängenden gesellschaftspolitischen Themen durch kuratierte Ausstellungen und begleitende Gesprächsformate.
Im Jahr 2025 richtet STATEMENT den Fokus auf algorithmische Kontrolle, digitale Desinformation und technologische Manipulation. Die Ausstellung mit dem Titel Realities Building wird von Marcella Beccaria kuratiert.
Gezeigt werden künstlerische Positionen von weltweit tätigen Kunstschaffenden – viele von ihnen leben freiwillig oder gezwungenermaßen in unterschiedlichen Regionen der Welt – die mit ihren Arbeiten neue Wege des Denkens und Handelns im digitalen Zeitalter aufzeigen.
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Im Zentrum von Realities Building stehen Film, Klang und Performance. Die Ausstellung zeigt, wie Künstler:innen zeitbasierte Medien nutzen, um kritisches Denken anzuregen und neue Perspektiven auf unsere von Technologie geprägte Realität zu eröffnen. Die präsentierten Werke thematisieren die Dynamiken von Überwachung und Desinformation und schlagen alternative Formen des Widerstands sowie der individuellen Freiheit vor. |
STATEMENT DER KURATORIN
In einer Welt, die von Krieg, Gewalt, autoritären Regierungen, oligarchischen Machtstrukturen, Rassismus, sozialen Ungleichheiten und Ausbeutung von Ressourcen geprägt ist, tragen die Erosion von Wahrheit und der Aufstieg algorithmischer Kontrolle zur Erzeugung vielfältiger Realitäten bei. Die Ausstellung “Realities Building” untersucht anhand von Film-, Video-, Sound- und Performance-Arbeiten, wie zeitgenössische Künstler:innen zeitbasierte Medien einsetzen, um kraftvolle Strategien des Widerstands und der Freiheit zu entwickeln.
In einer Epoche, in der scheinbar alles sichtbar ist und paradoxerweise dennoch unübersichtlicher und unverständlicher wirkt, versammelt Realities Building Werke, die kritisches Denken im Individuum fördern – angesichts einer komplexen Technologielandschaft, die gleichermaßen Information produziert wie Desinformation verbreitet. Kunst wird hier als bedeutende Form des Wissens verstanden, die in der Lage ist, eine eigene Sprache zu schaffen und dadurch neue Gedanken hervorzubringen. Die Ausstellung untersucht, wie Künstler:innen Fragen aufwerfen, Themen sichtbar machen und unerwartete Perspektiven eröffnen.
Die Ausstellung vereint Künstler:innen, die (freiwillig oder aus Notwendigkeit) an verschiedenen Orten leben und eine Vielzahl von Kontexten und gegebenen Realitäten erfahren. In einem offenen Rundgang greifen die ausgewählten Arbeiten komplexe Fragestellungen auf, vom Schrecken alltäglicher Landschaften, gezeichnet von Krieg, über die Rolle der Medien bis hin zur Ideologie der Überwachung und individuellen Handlungsfähigkeit, von der Macht der Propaganda, neue Realitäten zu inszenieren, bis zur Auslöschung von Geschichte. Weitere Themen sind das Verhältnis zwischen kapitalistischer Kodifizierung und der Auslöschung von Instinkten sowie das fragile Gleichgewicht zwischen Digitalem, Biologischem und Mineralischem in kollektiven Systemen.
Die präsentierten Werke sind nicht nur politisch, weil sie dringende Themen aufgreifen oder explizit politische Inhalte behandeln, sondern auch, weil sie aus Praktiken hervorgehen, die an sich politisch sind – indem sie bestehende Grenzen, Geografien und Narrative überschreiten. Auch wenn es nicht Aufgabe der Kunst ist, die Zukunft vorherzusagen, könnten die Werke in Realities Building konstruktive Einblicke in die Gegenwart geben und alternative Denkweisen darüber anregen, was zu einer besseren Zukunft beitragen könnte.
TEILNEHMENDE KÜNSTLER:INNEN
Künstler:innen der Ausstellung sind Zhanna Kadyrova (*1981, Browary, Ukraine), Agnieszka Kurant (*1978, Łódź, Polen), Armando Lulaj (*1980, Tirana, Albanien), Oscar Muñoz (*1951, Popayán, Kolumbien), Cally Spooner (1983, Ascot, Vereinigtes Königreich) und Jonas Staal (1981, Zwolle, Niederlande).
Liste der Arbeiten:
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Zhanna Kadyrova stickers, video without sound Courtesy the artist and GALLERIA CONTINUA |
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Agnieszka Kurant Silicate of sodium, copper, nickel, iron, zinc Courtesy the artist and Marian Goodman |
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Agnieszka Kurant 21.1 x 25.4 x 19.1 cm Courtesy the artist and Marian Goodman |
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Armando Lulaj video, color, sound Duration: 35min Aspect ratio: 16:9 Courtesy of the artist and Debatik Center of Contemporary Art |
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Oscar Muñoz 5/5+2 1 channel video, color video, no audio 15:00 min Edition of 5 + 2 AP Courtesy of the artist |
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Jonas Staal (PT/V001)17:48 min.Commissioner by Jindřich Chalupecký Society, Prague Courtesy Galleria Laveronica, Modica |
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Cally Spooner digital countdown, digital sound recordings Courtesy the artist and galleria zero, Milan |
STATEMENT findet mit freundlicher Unterstützung der ERSTE Stiftung statt.
ÜBER DIE KURATORIN
Marcella Beccaria ist Kunsthistorikerin, Kuratorin und Autorin zahlreicher Publikationen. Sie ist Chefkuratorin und Sammlungsleiterin am Castello di Rivoli Museo d’Arte Contemporanea in Turin. Ihre kuratorische Laufbahn begann sie in den USA – am Museum of Fine Arts, Boston, sowie am Institute of Contemporary Art, Boston.
Am Castello di Rivoli kuratierte sie zahlreiche vielbeachtete Ausstellungen, darunter Claes Oldenburg Coosje van Bruggen (2006), Una stanza tutta per sé (2008), Vito Acconci (2010), La storia che non ho vissuto (testimone indiretto) (2012), Marinella Senatore (2013–14), Jan Dibbets (2014), Gilberto Zorio (2017) und Nalini Malani (2018). Zu ihren Co-Kuratierungen zählen unter anderem L’emozione dei colori nell’arte (2017) sowie monografische Ausstellungen zu Giovanni Anselmo und Wael Shawky (beide 2016).
Beccaria ist Autorin zahlreicher Ausstellungskataloge, darunter die ersten Monografien zu Roberto Cuoghi, Yang Fudong und Francesco Vezzoli, und Herausgeberin mehrerer Publikationen zur Sammlung des Castello. Ihre Texte erschienen unter anderem in Parkett, Flash Art sowie in Publikationen der Biennale Venedig, des Guggenheim Museum New York, des Museu Serralves Porto und des Kunstmuseum Winterthur. Sie ist außerdem Autorin einer Monografie über Olafur Eliasson.
Photo: kunst-dokumentation.com


