Viennacontemporary

ZONE1

Kuratorin: Franziska Sophie Wildförster

 

C04 Olivia Coeln I Georg Kargl Fine Arts
C02 Kathi Hofer I Gabriele Senn Galerie
C03 Katharina Höglinger I Wonnerth Dejaco
C06 Nikita Kadan I Voloshyn Gallery
C07 Jelena Micić I Galerie3
C08 Michèle Pagel I Meyer Kainer
C01 Dan Vogt I Shore

 

Mit freundlicher Unterstützung des Bundesministerium für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport.


Das Ausstellungsformat ZONE1 präsentiert ausschließlich KünstlerInnen unter 40 Jahren, die in Österreich leben, arbeiten oder studiert haben. Seit 2015 zählt ZONE1 zu den Highlights der Messe und erfreut sich größter Beliebtheit bei KunstexpertInnen und BesucherInnen.

 

“Wien ist in geografischer als auch in kreativer Hinsicht ein Knotenpunkt von historischer Dichte, in welchem in jüngster Zeit aber neue Impulse gesetzt wurden. Gründe dafür scheinen die beiden hervorragenden Kunstakademien, verlässliche staatliche Fördersysteme aber auch eine allgemeine Verschiebung von Aufmerksamkeit, welche sich in Krisenzeiten von den einst unbestrittenen Kunst- und Finanzmetropolen wegbewegt. viennacontemporary ist unter der neuen künstlerischen Leitung von Boris Ondreicka ein Versuch, diese Dynamiken nicht nur abzubilden sondern auch kritisch zu erweitern. Ich bin froh, mit der Kuration von ZONE1 ein Teil dieses Unternehmens zu sein, welche die Vitalität der Stadt widerspiegelt. Mit einer Balance aus Galerien der ersten Stunde und solcher der jüngeren Generationen, zeigt ZONE1 sowohl aufstrebende als auch solche Positionen, welche bisher weniger Aufmerksamkeit bekommen haben und feministische, sozialökonomische und ökologische Herangehensweisen formulieren.”

— Franziska Sophie Wildförster

 

Franziska Sophie Wildförster ist Kuratorin in München und Wien. Sie ist Co-Direktorin und Mitbegründerin des Kunstvereins Kevin Space in Wien, der Ausstellungen und Projekte von Basel Abbas & Ruanne Abou-Rahme, Alex Baczynski-Jenkins, Lydia Ourahmane, Evelyn Toacheng Wang und Kandis Williams gezeigt hat und war Kuratorin von MINI / Goethe-Institut Curatorial Residencies New York im Jahr 2019. Von 2014 bis 2017 war sie Mitglied der kuratorischen Abteilung von Thyssen-Bornemisza Art Contemporary, wo sie als Mitherausgeberin verschiedener Ausstellungskataloge von Sternberg Press verantwortete. Sie verfasst regelmäßig Essays für Kunstmagazine und Publikationen und hat eigenständig Ausstellungen kuratiert – zuletzt die Gruppenausstellung „Benefit of the Doubt“ bei Deborah Schamoni, München (2021). Ab Oktober ist sie Doktorandin an der Akademie der bildenden Künste Wien.

 

AUSGESTELLTE KÜNSTLERINNEN

 

Olivia Coeln, born in Vienna in 1991, lives and works in Vienna.

Olivia Coelns Interesse gilt den Formen von Projektion und Mystifikation menschlicher und nichtmenschlicher Wesen wie sie aus folkloristischen Erzählungen, Fabeln, Märchen, Comics und Filmen hervorgehen. Ihre laufende Serie Carps zeigt Fotografien von Koi-Karpfen, die in Aquarien und Zoos aufgenommen wurden, wobei die Postproduktion der Ausgangsbilder einen zentralen Teil von Coelns Arbeitsprozess bildet. Gestik und Mimik werden dabei digital verfremdet, Farben, Filter und Lichter hinzugefügt sowie Teile verschiedener Bilder collagiert. Der holländische Fischauktionator Adriaen Coenen illustrierte Mitte des 16. Jahrhunderts ein Buch, worin er naturgetreue Studien unterschiedlicher Arten von Meeresbewohnern sowie imaginäre Wesen wie etwa Drachen und Seeungeheuer vereinte. Olivia Coeln folgt diesem Wechselspiel natürlicher, phantastischer wie auch animistischer Fragmente und verdichtet diese zu psychedelischen Bildmontagen.

 

 

 

Kathi Hofer, geboren 1981, lebt als Künstlerin in Berlin und Wien.

Die US-amerikanische Künstlerin Tressa Prisbrey (1896-1988) ließ sich nach Jahrzehnten des nomadischen Lebens im südkalifornischen Simi Valley nieder, um dort als Autodidaktin ein beispielloses Dorf zu bauen: “Grandma Prisbrey’s Bottle Village”. Angeleitet von der Idee, einen Ort für ihre rund 17.000 Stück zählende Bleistiftsammlung zu schaffen, entwickelte Prisbrey zwischen 1956 und circa 1972 eine monumentale Architekturlandschaft bestehend aus Glasflaschen und anderen weggeworfenen Gegenständen, die sie von der örtlichen Mülldeponie holte und auf ihrem Grundstück einbetonierte. „Like a pioneer, she built with the material at hand”, schrieb die Architekturhistorikerin Esther McCoy 1974 über sie. 1994 wurde Bottle Village vom Northridge-Erdbeben stark beschädigt. Zurück blieben architektonische Überreste, die Bleistifte, sowie ein 1960 verfasster essayistischer Bau- und Lageplan, der autobiografische Züge trägt. Wenngleich nur mehr Ruinen stehen, gilt Bottle Village heute als ein kalifornisches Wahrzeichen. Bislang weitgehend unbeachtet, erzählt Prisbreys komplementärer Essay vom Making-of jedes einzelnen Hauses, Gartens, Gehweges, Spring- und Wunschbrunnens, jeder Skulptur und jedes Schreins. Nebenbei analysiert Prisbrey darin die ästhetischen, gesellschaftlichen und ökonomischen Wertvorstellungen des “Kalifornischen Traums” der 1950er und 60er Jahre anhand dessen, was von ihm als Schrott liegen blieb. Die Künstlerin Kathi Hofer legt die erste deutsche Übersetzung von Tressa Prisbreys Lebens- und Werkgeschichte vor. Zusammen mit dem englischen Originaltext hat sie ein ‚Artist’s Artist’s Book‘ gestaltet, das an Hofers eigene konzeptuelle Bricolage-Praxis anschließt und sich darin mit Prisbreys Spirit des Recyclings verbindet.

 

 

 

Katharina Höglinger, geboren 1983, lebt und arbeitet in Wien. Studium Malerei/­Bildende Kunst an der Kunstuniversität Linz, Abschluss 2011, Auslandsstipendium an der Kunsthochschule Weißensee am ­Institut für Kunsttheorie. Zuletzt waren ihre Arbeiten u. a. zu sehen bei ­Wonnerth ­Dejaco (Wien), Weston Studios, Royal Academy of Art (London), ­Galeria Quadrado Azul (­Lissabon), ­Belvedere 21 (Wien), ­Fettes College (Edinburgh), ­Cassandra Cassandra und Cooper Cole (­beide ­Toronto), Tower (Wien), Supermala (­Madrid), Feÿ – Rencontres d’arts (Bourgogne, Frankreich), M.I/mi1glissé (Berlin), Calaboose (Montreal), Futur II (Paris) und City Surfer Office (Prag). Gemeinsam mit Myles Starr gründete sie das kuratorische Projekt SORT.

Katharina Höglingers Arbeit wird von ­einem unwiderstehlichen Drang angetrieben, ­Positionen sozialer Handlungsfähigkeit aus dem Feld der zeitgenössischen Kunstproduktion zurückzuerobern – ­zwischen kunsthistorischen Modellen, den lokalen und globalen Kunstnetzwerken und dem allumfassenden Bildermeer der sozialen Medien. Indem sie ihre persönlichen Alltagserfahrungen in die Maschine ihrer scheinbar unbekümmerten Wiederaneignung künstlerischer Stile und Techniken einspeist, bearbeitet die Künstlerin aktiv die materiellen und immateriellen Räume, die unsere soziale Realität ausmachen. Dabei schafft Höglinger Werke von unverwechselbarer Leichtigkeit und Humor, die dennoch Geschichten von existentiellem Gewicht erzählen.

 

 

 

Nikita Kadan ist eine der führenden Persönlichkeiten der ukrainischen Kunst. Er ist Mitglied der Künstlergruppe R.E.P. (Revolutionary Experimental Space) und Gründungsmitglied des kuratorischen und aktivistischen Kollektivs Hudrada (künstlerisches Komitee).

Nikita Kadan wurde 1982 in Kiew geboren.

In der Serie “Broken Pole” widmet sich der Künstler Arbeiten der Avantgarde, jedoch mit zeitgenössischen Interpretationen. Nikita Kadan zeigt Formen des Umgangs des heutigen Staates mit Monumenten aus der Zeit des Kommunismus, welche entweder sich selbst überlassen werden und verfallen, oder zerstört wurden. Die Serie “Broken Pole” besteht aus eisernen Schildern, die mit heißem, hernach gefrorenem Harz überzogen sind, sowie aus Seidenstoffen, die mit Fotografien von Ruinen an Orten der feindlichen Auseinandersetzungen im Donbass bedruckt sind. Es handelt sich hierbei um Fotografien, die Nikita Kadan im Jahr 2015 gemacht hat, und um solche von zerstörten oder verlorengegangenen Arbeiten des Avantgardekünstlers Vasyl Yermilov.

 

 

 

Jelena Micić, geboren 1986 in Knjaževac, Serbien, absolvierte 2020 die Klasse für Textuelle Bildhauerei von Heimo Zobernig an der Akademie der bildenden Künste Wien mit Auszeichnung. MA in Philosophie (2012) und diplomierte Philologin der skandinavischen Sprachen (2010) an der Universität Belgrad. Sie wurde ausgezeichnet mit dem Dimitrije Bašičević Mangelos Art Award (2021), dem Würdigungspreis der Akademie der bildenden Künste Wien für hervorragende künstlerische Abschlussarbeiten (2020), dem Ö1 Talentestipendium Bildende Kunst (2018) und der kültür gemma! Fellowship (2018). Ihre Werke befinden sich in der Sammlung des Bundesministeriums (Artothek des Bundes) und in der Sammlung der Stadt Wien. Micić ist Gründerin der informellen Gruppe UMETNIK*. Sie lebt und arbeitet als Künstlerin und Kuratorin in Wien.

Jelena Micić’ besonderes Interesse gilt der Erforschung verschiedener kultureller und soziopolitischer Aspekte von Farbe und Farbsystemen. Der Großteil ihrer künstlerischen Praxis umfasst Feldarbeit und forschungsbasiertes Sammeln visueller Informationen. Indem sie sich das Alltägliche aneignet, gehen ihre Arbeiten oft von ausgewählten menschlichen Verhaltensmustern und Handlungen aus, die deren Auftreten begleiten. Das kürzlich verbotene Einwegplastik ist Rohmaterial für Micić’ Arbeiten, die auf viennacontemporary 2021 von der Galerie3 präsentiert werden.

 

 

 

Crrreature Of Habit / Das Glück ist ein Vogerl
Skulpturale Rauminstallation, 2021
Glasierte Ziegelsteine, Klebemörtel, Metall, Lack, Bauzaunsteine, Zimmerspiegel

Die Installation CRRREATURE OF HABIT  ist Teil einer Serie von Arbeiten, die unter dem Titel DAS GLÜCK IST EIN VOGERL eine Reihe von Installationen zusammenfasst, in denen Skulpturen von Vögeln in eine Umgebung aus Gegenständen der Menschenwelt gesetzt werden. Im Spiel mit dem tradierten Symbolismus der keramischen Vogelfigur fungiert die Installation im gleichen Maß sowohl als Podest als auch als Setzung der farben- und detailreichen Skulptur in eine graue Allegorie des Alltags. Im Fall von CRRREATURE OF HABIT ist der Protagonist ein lebensgroßer männlicher Pfau, der hinter einer frei stehenden Zauntür mit seinem ganzen Gewicht auf einer Stange sitzt und in einen Vorzimmerspiegel hinter sich blickt.

Der/Die BetrachterIn kann dem Pfau nur im Spiegel in die Augen sehen – und sich selbst dabei nur hinter Gittern. Der Pfau ist entsprechend einer gängigen skulpturalen Praktik aus Ziegelsteinen zusammengesetzt, die im Rohzustand geschnitzt und danach mehrfach gebrannt und glasiert wurden. Der Umgang mit diesem Rohstoff führt eine keramische Arbeitsweise an Materialien der Bauindustrie und der Architektur heran, sodass die aus diesem Baustoff entstandenen Lebewesen vexierend beiden Welten angehören.

Die scheinbar einfache Anlage aus der alten Gartentür, dem geschweißten Rahmen, den groben Betonsteinen, und dem Spiegel an der Wand wird durch die Figur in ihrem Zentrum zu einem Labyrinth aus Blickwinkeln, in dem der Pfauenschweif aus Ziegeln federleicht wirkt und die Situiertheit des Pfaus nach selbstgewähltem Gefängnis riecht.

 

 

 

Dan Vogt, geboren 1989 in Kitchener, Kanada, lebt und arbeitet in Wien.

Dan Vogt ist ein Künstler, der derzeit in Wien lebt und arbeitet. Er untersucht die Beziehungen zwischen dem Innen und dem Außen, dem Privaten und dem Öffentlichen. Seine Arbeiten, die verschiedenste Medien umfassen, sind strukturell narrativ und enthalten oft Teile der eigenen persönlichen Geschichte des Künstlers.