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ZONE1

ZONE1 Mit freundlicher Unterstützung des Bundeskanzleramts Österreich.
Kuratorin: Fiona Liewehr
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In den Sonderschauen von ZONE1 stellt die Kunsthistorikerin, Kuratorin und Autorin Fiona Liewehr Positionen junger KünstlerInnen vor, die durch ihre Ausbildung, Arbeit oder Herkunft eine lokale Verbindung zu Österreich haben. ZONE1 überzeugt regelmäßig mitaußergewöhnlichen Neuentdeckungen und Überraschungen.

Fiona Liewehr ist Kunsthistorikerin, Kuratorin und Autorin/Herausgeberin in Wien. Erfahrungen sammelte sie sowohl in einem institutionellen Umfeld (Belvedere Museum Wien und mumok – Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien) als auch auf dem Kunstmarkt (Direktorin Georg Kargl Fine Arts).

Wer im Gestern Heute sah,
dem geht das Heute nicht allzu nah,
und wer im Heute sieht das Morgen,
der wird sich rühren, wird nicht sorgen.
Johann Wolfgang von Goethe

Die diesjährige Ausgabe der ZONE 1, die ihren Fokus erneut auf KünstlerInnen unter 40 Jahre legt, die in Österreich leben, studieren oder einen Arbeitsaufenthalt hatten, setzt es sich zum Ziel, die internationale Vernetzung zu verstärken. Sechs der insgesamt zehn Galerien stammen aus dem Ausland, die KünstlerInnen, die sie vertreten, setzen sich mit den Medien Malerei, Skulptur, Fotografie und performativ-installativer Inszenierung auseinander. Allesamt aufgewachsen in einer digitalisierten Welt, ist Mobilität und ständiger globaler Austausch eine Selbstverständlichkeit und die beschleunigte Adaption an Veränderungen Normalität. Gleichzeitig begegnen sie einer zwischen Überstimulierung und kulturellem Erschöpfungszustand leidender, zunehmend dissonanten 

 

Zu den TeilnehmerInnen gehören:

 

Thomas Geiger I SPERLING
Thomas Geiger (*1983 in Deutschland) arbeitet an der Schnittstelle von öffentlichem, privatem und institutionellem Raum. Seine Arbeiten, die Elementen aus Performance und Skulptur vereinen, lassen sich als fragmentarische Bühnen beschreiben, die spielerische Situationen schaffen, um soziale Realitäten zu untersuchen. Oft basieren diese Arbeiten nicht auf dem Gedanken der Individualität, sondern beziehen das Publikum oder die Werke anderer KünstlerInnen ein. In den letzten Jahren realisierte er Soloprojekte mit dem Kunstverein Langenhagen, der Simultanhalle (Köln), dem Museum Tinguely (Basel), Despacio (San José), der Fondation d’entreprise Ricard (Paris) oder dem Museo de Arte Contemporaneo (Santiago de Chile). Seit 2016 leitet er das Projekt Kunsthalle3000, eine Institution, die als Intervention fungiert und im öffentlichen Raum angesiedelt ist.

 


 


Eva Koťátková I hunt kastner
Eva Kotáťková (*1982 in Prag, Tschechien) studierte an der Prager Akademie der bildenden Künste (2002-2007), der Prager Akademie für Angewandte Kunst (2004), dem San Francisco Art Institute (2005) und der Akademie der bildenden Künste Wien (2005 – 2006). Mit 25 Jahren war sie 2007 die jüngste Künstlerin, die jemals den Jindřich Chalupecký-Preis für junge KünstlerInnen in der Tschechischen Republik erhalten hat. Neben ihrer fortwährenden künstlerischen Praxis war sie in jüngerer Zeit im Bereich Tierrechte tätig und entwickelt derzeit einen Lehrplan für ein neues Schulfach, das auf dem Konzept von Freilernen, Empathie und Aktivismus basiert. Sie ist Mitbegründerin der Plattform „Institute of Anxiety“, die das Potenzial für positive Veränderungen in den Bemühungen um strukturelle Veränderung und Systemkritik, aber auch in verschiedenen Arten des Teilens verortet.

 


 


Luiza Margan I Structura Gallery
Luiza Margan (*Rijeka, Kroatien) ist eine bildende Künstlerin, die mit Installation, Skulptur, Video und dem öffentlichen Raum arbeitet. Sie lebt in Rijeka und Wien. Margan untersucht die Beziehungen zwischen Privatem und Öffentlichem und erforscht, wie öffentlicher Raum und kulturelle Identitäten durch Geschichtsschreibung und ideologische Verschiebungen gebildet werden und welche Rolle der Kunst dabei einnimmt. Ihre Arbeiten sind prozessorientiert und werden durch Archive, Feldforschung oder Spaziergänge unterfüttert sowie durch das Sammeln und die Rekontextualisierung gefundener Materialien zu Objekten und Installationen. Margan hat an zahlreichen Ausstellungen, Aktionen im öffentlichen Raum und KünstlerInnengesprächen teilgenommen. Ihre Werke sind Teil mehrerer Kunstsammlungen, wie etwa der Generali Foundation in Salzburg, des Museums für zeitgenössische Kunst – 21 Haus Wien, des Museums für zeitgenössische Kunst in Zagreb, des Tabakmuseums in Ljubljana und privater Sammlungen. 2019 war sie Stipendiatin für Visuelle Kunst & Medien an der Akademie Schloss Solitude in Stuttgart.

 


 


Markus Proschek I SVIT
Markus Proschek (*1981 in Schwarzach im Pongau) studierte an der Universität für angewandte Kunst Wien. Heute lebt er in Berlin. Proscheks Malerei und Skulpturen drehen sich um das vieldeutige Potential ideologischer Bilder, die sich auf die jüngsten Kulturkriege und ihre prekären Männlichkeiten sowie auf die Behauptungen und Misserfolge ikonoklastischer Gesten beziehen.

 


 


Stefan Reiterer I Galerie CRONE
Seit Beginn seiner künstlerischen Tätigkeit untersucht Stefan Reiterer (*1988 in Waidhofen an der Thaya) in seinen Arbeiten die Charakteristika analoger und digitaler Bildsprachen und deren Relation zur visuell-räumlichen Wirklichkeit.
In seinen Werken werden etwa Google Earth Landschafts-Screenshots in Bildprogrammen bearbeitet. Bestehende Bildelemente werden verschoben und verzerrt, Bilder neu komponiert und überlagert. Diese veränderten Grafiken werden anschließend auf großformatige Leinwände oder MDF-Platten übertragen, wobei sich den BetrachterInnen schließlich in die Malerei überführte, digital verfremdete Realitäten darbieten.
Dieser großformatigen Übersetzung von digitaler Kartographie stehen kleinere collagierte oder gemalte Studien gegenüber. Sie zeigen den Gegensatz unterschiedlicher Abeitstempi und -prozesse, malerische Momentaufnahmen als Gegengewichte und Kontrahenten zur elaborierten Arbeit.

Gesellschaft und der viral verbreiteten, nur scheinbaren Realität mit wachsender Skepsis. Vermehrt widmen sie sich daher demokratischen und kollaborativen Arbeitsprozessen und materiellen Wirklichkeitserfahrungen – denn, wenn die Connectivity überall ist, wird das reale Erleben und das Materielle zum Besonderen. Das äußert sich in der Skulptur in der Kombination von divergierenden Materialien und der Verbindung von traditionellem Handwerk mit modernen digitalen Technologien, in der Fotografie in der Erforschung ihrer apparativen Grundlagen, ihrer Inszenierung und Realitätsmanipulation und in der Malerei in der analytischen Übersetzung von oft digitalen Vorlagen in collageartige, technisch versierte Formulierungen. In installativen Settings und mit performativen Handlungsanweisungen werfen die KünstlerInnen Fragen auf um die Verluste und die Überwachung des Privaten und die Ökonomisierung und Reglementierung des öffentlichen Raums und setzen sich mit Themen wie Geschichtskonstruktion, sich verändernder gesellschaftspolitischen Ordnungen und Geschlechterrollen auseinander.

Die ZONE1 2019 versteht sich als internationale, kreative Diskursplattform, in der die jungen KünstlerInnen und ihre GaleristInnen für sich und gemeinsam mit den BesucherInnen (ver)handeln, diskutieren und visionieren können. Denn nur wer im Heute sieht das Morgen, der wird sich rühren, wird nicht sorgen!
Fiona Liewehr, Kuratorin der ZONE1

Zusätzliche Veranstaltung:

ZONE1 Hamam
veranstaltet von Robby Greif & Fiona Liewehr
Mit einer künstlerischen Intervention von Maruša Sagadin et al.
Freitag, 27. September 2019: 21:00 – 1:00 Uhr
Samstag, 28. September 2019: 19:00 – 1:00 Uhr
Ennsgasse 19 | 1020 Wien

 

 

 


Titania Seidl I Raum mit Licht
Titania Seidl (*1988 in Wien) beschäftigt sich mit der Konstruktion des weiblichen Selbst und den narrativen Strategien, die in diese Konstruktion einfließen. Als begeisterte Leserin aller Arten von Belletristik interessiert sich Seidl sowohl für die Stimme der AutorInnen (Wie werden weibliche Charaktere von männlichen Erzählern beschrieben? Wie beschreiben Autorinnen ihre Charaktere?) als auch für die Verfälschung dieser Stimmen durch entsprechende Techniken (z.B die Umschreibung bei der Übersetzung von Texten in verschiedene Sprachen). Anschließend übersetzt sie diese Bedenken in Malerei, ein Medium, das immer noch für ein bestimmtes Bild von männlichem Genie steht, aber auch einem nicht spezialisierten Publikum zugänglich ist. Seidl verwendet Bilder aus verschiedenen Quellen – Kunstgeschichte, Subkultur, Comics, Selbsthilfeliteratur, eigene Skizzen – und versucht, die Hierarchien zwischen diesen verschiedenen Quellen aus dem Gleichgewicht zu bringen, indem sie die Leinwand als gemeinsamen Nenner nutzt.

 


 


Marina Sula I Gabriele Senn Galerie
Marina Sula (*1991 in Lezhe, Albanien) lebt und arbeitet in Wien. Ihr Studium schloss sie 2018 an der Akademie der bildenden Künste in Wien ab.
Sulas Praxis umfasst Fotografie, Collage, Zeichnung, Skulptur und Installation. Sie inszeniert widersprüchliche und eindringliche Installationen, in denen neuartige Beziehungen zwischen dem Persönlichem und dem Sozialisiertem in Frage gestellt werden. Sie untersucht die mehrdeutige systemische Dynamik zwischen Individuum und Gesellschaft und stellt sie der Logik der Institution und der Rezeption von Kunst gegenüber.

 


 


Sophie Thun I Sophie Tappeiner
Sophie Thun (*1985) lebt und arbeitet in Wien. Ihre vielschichtige fotografische
Interventionen, die sich um die Konstruktion des Selbst im widersprüchlichen Raum der Repräsentation drehen, verkomplizieren die Beziehung zwischen dem imaginären Bildraum des Werkes und dem realen Raum des Betrachters. Indem sie die Standorte, Mechanismen und Aktionen freilegt, die bei der Produktion des Bildes beteiligt waren, dokumentiert Thun offen die Konstruktionsprozesse ihrer Werke und zerstört damit deren makellose Illusion. Bilder, wie Selbstdarstellungen, sind keine objektiven Repräsentationen der Realität, sondern knifflige, überlagerte, inszenierte Prozesse, die sich im Laufe der Zeit entwickeln. Indem sie häufig ihren eigenen Körper und ihr Selbstporträt als Hilfsmittel benutzt, um etablierte Konzepte zu untersuchen und zu hinterfragen, begegnet Thun ihrem Publikum konsequent mit einem unverwandten Blick, der uns auffordert, unseren gedankenlosen Konsum von Fotografie zu hinterfragen.

 


 


Julian Turner I FILIALE
Julian Turner (*1985), der vor langer Zeit von Hamburg nach Wien gezogen ist, studierte bei Amelie von Wulffen und Julian Göthe. In Wien eröffnete er die Bar du Bois, einen Wanderausstellungsraum mit kulinarischen Köstlichkeiten. Zitat, Selbstzitat und Materialzitat geben sich die Hand. Fotos ersetzen Objekte und Objekte ersetzen Fotos, gepaart mit Interpretationen von Materialien. Auf eine skurrile, einfühlsame Art und Weise werden alltägliche Ästhetiken fort- und freigesetzt, die ihren zugrunde liegenden Charme erst in ihrer Neuinterpretation zu offenbaren scheinen. Erinnerungen an Derrida und Benjamin. Das Materialzitat ersetzt das Material und überschattet das „Original“, und das Kunstwerk widersteht der technologischen Reproduzierbarkeit.

 


 


Marcin Zarzeka I Dawid Radziszewski
Marcin Zarzeka (*1985) lebt und arbeitet in Wien. Er studierte an der Akademie der bildenden Künste in Krakau und der Akademie der bildenden Künste in Wien. In seiner Arbeit konzentriert er sich hauptsächlich auf minimalistisch geformte Objekte, die normalerweise zum Aufhängen an Wänden entworfen wurden. Er schafft Konstruktionen aus Glas, Gips, Schaumstoffplatten und anderen architektonischen Materialien, die subtile Spuren hinterlassen. Glasscheiben erzeugen den illusionären Effekt. Die einzelnen Schichten verschmelzen und verlieren die Linien, die der Unterscheidung zwischen den einzelnen Komponenten, Materialien und bemalten und gezeichneten Elementen dienen. 2013 erhielt Zarzeka den ersten Preis bei Augarten Contemporary.