Viennacontemporary

ZONE1

Kuratorin: Tjaša Pogačar

Julia Belova | Galerie Rudolf Leeb
Schirin Charlot Djafar-Zadeh | Suzie Shride
Parastu Gharabaghi | City Galerie Wien
Gašper Kunšič | house of spouse
Nika Kupyrova | RAVNIKAR GALLERY SPACE
Agnieszka Polska | Georg Kargl Fine Arts
Anne Schmidt | VIN VIN Gallery
Selma Selman | acb
Šimon Sýkora | POLANSKY

Mit freundlicher Unterstützung des Bundesministerium für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport.


 

Das Ausstellungsformat ZONE1 präsentiert ausschließlich KünstlerInnen unter 40 Jahren, die in Österreich leben, arbeiten oder studiert haben. Seit 2015 zählt ZONE1 zu den Highlights der Messe und erfreut sich größter Beliebtheit bei KunstexpertInnen und BesucherInnen. Dieses Jahr wurde sie von Tjaša Pogačar kuratiert.

 

Tjaša Pogačar ist Kuratorin, Mitbegründerin und Chefredakteurin des Magazins Šum in Ljubljana. Sie arbeitete unter anderem mit dem Museum für zeitgenössische Kunst Metelkova, der Galerie Škuc und dem Aksioma Project Space in Ljubljana zusammen, kuratierte Einzel- und Gruppenausstellungen und arbeitete vor allem mit der jüngeren Generation von KünstlerInnen zusammen. 2019/20 kuratierte sie zwei Ausgaben des IFCA – International Festival of Computer Arts in Maribor mit dem Titel “Automated Ecologies and Infrastructure Complex: Altered Earth”, das sich mit Fragen befasste, die sich aus der Verflechtung von Technologie und planetarischen Ökologien ergeben. Darüber hinaus arbeitet Pogačar als Kuratorin und Produzentin neuer Medienkunst am Projekt Atol Institute in Ljubljana und ist Kuratorin von ISKRA DELTA – 34th Ljubljana Graphic Biennale.

 

„Meine kuratorische Arbeit ist im Dialog mit Kunstpraktiken entstanden, die ein kritisches Bewusstsein und die Erforschung von radikalen Veränderungen und Möglichkeiten fördern, die durch neue Technologien entstanden sind. Praktiken, die von dem Wunsch motiviert sind, eine andere Realität zu bewohnen als die sozial, politisch und ökologisch prekäre, die wir geerbt haben, und die über die bloße Reflexion des aktuellen Zustands der Welt hinaus auch neue Erzählungen für andere mögliche (nicht nur menschliche) Zukunftsszenarien vorstellen, prototypisieren und testen. Ich freue mich, die Rolle der Kuratorin der diesjährigen ZONE1 zu übernehmen, da sie eine Gelegenheit bietet, diesen Dialog und mein Interessengebiet mit Fragen, Ansätzen und Perspektiven einer jungen Generation von KünstlerInnen in Österreich zu erweitern.

— Tjaša Pogačar

 

 

KÜNSTLERINNEN

 

 

Julia Belova

geboren 1991 in Tver, Russland, ist eine in Wien lebende Bildhauerin.

IIn ihrer künstlerischen Praxis untersucht Julia Belova die Relevanz des Barock und verbindet diese Zeit mit der Gegenwart. Sie experimentiert mit der Ästhetik des religiösen Barock und schafft eine Collage aus dessen Elementen, in dem sie Körperlichkeit und Sexualität fetischisiert. Mittels Porzellan, das sie als Hauptmaterial für ihre Skulpturen verwendet, untersucht sie den Hauptkonflikt dieser absolutistischen Ära, den Konflikt zwischen einer von der Gesellschaft auferlegten sozialen Rolle und der individuellen Authentizität. Dieser Konflikt besteht nach Ansicht der Künstlerin auch heute noch, insbesondere für Frauen und Vertreter der LGBT+-Community. Das pulsierende Leben ihrer Körperobjekte steht in krassem Gegensatz zum leblosen Porzellan, aus dem sie geschaffen sind. Im Rahmen von viennacontemporary plant die Künstlerin eine neue Serie von Porzellanobjekten. Sie will das Barock im Hinblick auf das Thema des Todes erforschen und eine dystopisch wirkende Welt schaffen, die sich auf mehreren Ebenen auf aktuelle weltpolitische Geschehnisse bezieht und barocke Motive wie Memento mori oder Vanitas in den Fokus rückt.

 

 

 

Schirin Charlot Djafar-Zadeh

ist eine Künstlerin aus Wien mit Wurzeln im Iran.

Schirin Charlot Djafar-Zadeh studierte bei Daniel Richter an der Akademie der bildenden Künste Erweiterten Malerischen Raum und an der Glasgow School Of Art am Department Sculpture and Environmental Art. Sie erhielt 2020 ihr Diplom mit einer Einzelausstellung bei Suzie Shride, Forever 21. In ihren Arbeiten untersucht sie die kulturelle Veränderung und den menschlichen Eingriff in die Natur. Sie stellt Selbstreflexion und Selbstdarstellung, Selbstentdeckung und Selbstveränderung einander gegenüber. Djafar-Zadehs installative Arbeiten hinterfragen gesellschaftliche Konformität. Zu ihren letzten Ausstellungen gehören Making Out Chapter 2, Come Over Chez Maliks, Hamburg, Through Puberty To Success, Shore Gallery x Suzie Shride, Wien, They Grow Up So Fast, (solo) Kreuzberg Pavillon, Berlin Phantasmatic Riff, Untere Augartenstraße 26, Wien, SPEND SECONDS OF HAPPINESS, (Einzelausstellung) Fonda, Leipzig, The Crossdresser & the Phoenix, NEVVEN, Göteborg, Schirin Charlot Djafar-Zadeh, (Einzelausstellung) Neue Heimat/Kammer Rieck, Berlin.

 

 

 

Parastu Gharabaghi wurde in Wien geboren, wo sie lebt und arbeitet.

Gharabaghi arbeitet in einer Vielzahl von Medien, darunter Installation, Skulptur und Video sowie deren Überschneidungspunkten. Sie untersucht räumliche Gegebenheiten, Objekte des täglichen Lebens und deren zugewiesene Funktionen. Bei der Erkundung ihrer Arbeit betritt man ein System, das an einen verwirrenden Traum erinnert, gefüllt mit entfremdeten und doch vertrauten Elementen. Die sich wiederholenden Vertauschungen, Umkehrungen und Zweideutigkeiten sowie deren Subtilität machen eine Begegnung mit ihren Arbeiten zu einer rätselhaften Erfahrung. Als Analogie könnte man an das Kinderspiel denken, bei dem abwechselnd die eigenen Hände über die eines/r anderen gelegt werden.  So wird immer wieder ein anderer Blickwinkel oder ein anderes Detail in den Fokus gerückt, sichtbar gemacht, was oft übersehen wird. Simulierte Bühnen, Schatten dessen, was wir für real halten, verflechten sich mit potenziellen Räumen, die Zwischenräume in den Vordergrund rücken.
Gharabaghi studierte an der Akademie der bildenden Künste in Wien und an der Slade School of Fine Arts in London.

 

 

 

Gašper Kunšič
geboren 1992 in Slowenien, lebt und arbeitet in Frankfurt und Wien.

Gašper Kunšič, der an der Universität für angewandte Kunst Wien, der Akademie der bildenden Künste Wien und der Städelschule Frankfurt am Main studiert hat, nimmt seine eigene Biografie oft als Ausgangspunkt für seine künstlerische Praxis, indem er Ausstellungsprozesse nutzt, um den Verlauf privater und kollektiver Geschichten zu verändern. Viele seiner medienübergreifenden Arbeiten enthalten visuelle Referenzen aus seiner Heimat Slowenien und dem größeren ex-jugoslawischen Raum und manifestieren sich als Rauminstallationen, in denen der Künstler persönliche Beziehungen in transmediale Formen übersetzt.

 

 

 

Nika Kupyrova
geboren 1985 in Kiew, Ukraine, lebt und arbeitet in Wien und Prag.

Nika Kupyrova studierte Malerei am Edinburgh College of Art, Bildende Kunst an der Universität der Künste Island und Transdisziplinäre Kunst an der Universität für angewandte Kunst in Wien. Zu ihren Ausstellungen zählen Karlin Studios FUTURA (Prag), WIELS Contemporary Art Centre (Brüssel), EXILE Gallery (Wien), Mattress Factory Museum of Contemporary Art (Pittsburgh), Belvedere 21 (Wien), SODA Gallery (Bratislava), Kunstraum Niederösterreich (Wien) und Meetfactory Centre for Contemporary Art (Prag). Nika Kupyrova ist Preisträgerin des Erste Bank ExtraVALUE Art Award (2017) und des österreichischen Staatsstipendiums für aufstrebende Künstler STARTStipendium (2019) – ihre Werke befinden sich in der Sammlung des Bundesministeriums in der Artothek des Bundes im Belvedere 21, in der Sammlung des Wien Museums (Österreich) sowie in den Sammlungen der Fait Gallery (Tschechische Republik) und des Mattress Factory Museum of Contemporary Art (USA). Kupyrovas Werkserie Yaekahngai, die bei viennacontemporary gezeigt wird, und die ihren Namen von einem zufällig generierten WLAN-Passwort ableitet, betrachtet den Bildschirm als Portal zu hypothetischen Parallelwelten, zu denen man nur Zugang hat, wenn man das richtige Tor und den richtigen digitalen Schlüssel besitzt. Die Künstlerin stellt sich den Ausstellungsraum als ein System vor, das von einem unterirdischen Pilznetzwerk angetrieben wird – und doch ähnelt die pseudo-organische, algorithmische Wiederholung von Formen und Farbtönen eher einem immersiven Computerspiel als einem echten Wald. Skulpturen, die an stehende Steine erinnern, markieren die Übergänge in mythologische Gefilde – oder sind wir bereits unfreiwillig in eine andere Welt eingetreten?

 

 

 

Agnieszka Polska
geboren 1985 in Lublin, Polen, ist eine bildende Künstlerin, die mithilfe computergenerierter Medien über das Individuum und seine soziale Verantwortung nachdenkt.

Polska versucht, die ethische Ambiguität unserer Zeit in halluzinatorische Filme und Installationen zu übertragen. Internationale Ausstellungen, darunter das Museum of Modern Art in Warschau, das New Museum und das MoMA in New York, das Centre Pompidou und das Palais de Tokyo in Paris, die Tate Modern in London, das Hirshhorn Museum in Washington, DC und der Hamburger Bahnhof in Berlin. Polska nahm an der 57. Biennale von Venedig, der 11. Gwangju Biennale, der 19. Biennale von Sydney und der 13. Istanbul Biennale teil. Im Jahr 2018 wurde sie mit dem Deutschen Preis der Nationalgalerie ausgezeichnet.

 

 

 

Anne Schmidt
geboren 1991 in Brandenburg, Deutschland, lebt und arbeitet in Wien, Österreich.

Anne Schmidt studierte Soziologie und Philosophie an der Universität in Leipzig. Seit 2015 ist sie in der Klasse von Julian Göthe an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Zu ihren Gruppenausstellungen gehören: NOMINATED…, mumok, Wien (2022); Once in a Blue Moon…, Una Galleria, Piacenza at Spazio Leonardo, Mailand (2021); Über das Neue, Belvedere 21, Wien (2019). Zu den Einzelausstellungen zählen: FASERN GEHEN DURCH PFORTEN, Soloperformance von Anne Schmidt, Sound von Phillipp Pettauer, Konzept von Luca Perfahl, Konzept und Bühnenbild von Marei Buhmann, bei BESTAND by Samuel Zeichen, Sophienspital, Wien, (2021); Michelangelo, VIN VIN, Wien (2020); Buffalo Bill, Aquarium, Akademie der bildenden Künste, Wien (2015). In der in ZONE1 gezeigten Serie Carpets bezieht sich Anne Schmidt auf ein Filmstill aus Parallel 3 von Harun Farocki, 2012. Der vierteilige Zyklus Parallel beschäftigt sich mit dem Bildgenre der Computeranimation. Die Serie beschäftigt sich mit der Konstruktion, der visuellen Landschaft und den inhärenten Regeln computeranimierter Welten. Der Teppich ist mit gebrauchtem Motoröl und Farbstift auf Polyester gemalt.

 

 

 

Selma Selman
geboren 1991 in Bihać, Bosnien und Herzegowina, lebt und arbeitet zwischen Bosnien, den Vereinigten Staaten und den Niederlanden, wo sie an der Rijksakademie van Beeldende Kunsten studiert.

Selma Selman ist eine der jüngsten Fahnenträgerinnen einer langen Tradition kritischer und politischer Performance aus dem ehemaligen Jugoslawien, die mit Performance, Video, Fotografie, Zeichnung und Malerei arbeitet. Ihre Praxis hinterfragt Stereotypen über Roma, indem sie sich auf ihre persönlichen Erfahrungen und Lebenssituationen bezieht, sich aber auch auf ihre eigene Situation als junge Künstlerin mit Roma-Herkunft aus Bosnien konzentriert. Selmans Bilder auf Schrott sind ein visuelles Tagebuch, das sich aus – manchmal symbolischen – Selbstporträts, Porträts ihrer Familie, Darstellungen von Alltagsszenen in Bosnien sowie Verweisen auf für sie bestimmende Figuren oder Werke der Kunstgeschichte zusammensetzt. Das Altmetall, auf dem sie diese Arbeiten realisiert, deutet auf die schwierige Existenz ihrer Familie hin. Ihr Vater sammelte solche Metallteile, um seine Familie zu ernähren. Ihre Zeichnungsserien bilden einen noch intimeren Werkkomplex, da sie ihren Kampf, ihr Leiden und ihr Unbehagen mit ihrem eigenen weiblichen Körper und all den geschlechtsspezifischen Erwartungen, die die Gesellschaft und insbesondere ihre eigene Familie an ihn knüpfen, widerspiegeln. Selman studierte an der Universität Banja Luka und an der Syracuse University. Sie wurde mit dem “Zvono Award” für junge KünstlerInnen in Bosnien (2014), dem “Trieste Contemporanea Award” (2017), dem White Aphroid Award, Maribor, (2019) ausgezeichnet und für Forbes 30 under 30, Art and Style, (2018) nominiert. Selmans Werke wurden u.a. ausgestellt auf: Manifesta 14 (2022), documenta 15 (2022), Museum Fridericianum, Kassel (2021), National Gallery, Sarajevo (2021), Kunsthalle Wien (2020), L’Onde Center for Art, Paris (2020), 58. Biennale Venedig (2019), Queens Museum, New York (2019), Villa Romana, Firenze (2019), The Creative Time Summit, Miami (2018), 3. Berliner Herbstsalon, Maxim Gorki Theater, Berlin (2017), Kunstquartier Bethanien, Berlin (2016) und Museum für zeitgenössische Kunst, Banja Luka (2014). Seit 2016 stellt sie ihre Werke in privaten Galerien in Wien aus (Galerie Schleifmühlgasse 12-14, Galerie Fluck, Galerie Michaela Stock), war 2019 Resident Artist bei Kultur Kontakt Austria und zeigte 2020 ihre Werke in der von WHW kuratierten Ausstellung “… of Bread, Wine, Cars, Security and Peace” in der Kunsthalle Wien.

 

 

 

Šimon Sýkora
geboren 1990, ist ein tschechischer Maler.

Die angenehm melancholischen Arbeiten von Šimon Sýkora laden den Betrachter / die Betrachterin in eine Art verschwommenes Reich der WandererInnen und AußenseiterInnen ein. Wie von einem Bekannten im Vorbeigehen die kalte Schulter gezeigt wird, öffnen sich Sýkoras Bilder nicht, sondern geben einem das Gefühl, ein Voyeur zu sein, der gemurmelte Gespräche belauscht. Sýkoras Kompositionen bestehen größtenteils aus schattenhaften Figuren, die in erkennbar unordentlichen Räumen ruhen, mäandern oder passiv träumen. In einer fast gewalttätigen, an Bataille erinnernden Realität erforschen die Werke die verinnerlichten Vorstellungen von der menschlichen Verfassung – eher unmerklich, aber quälend präsent und mächtig in der Gestaltung der gesamten Realität des Menschen. In den Arbeiten kommen Ängste, Enttäuschungen, Bedauern, Einsamkeit, Trauer und Sehnsucht zum Vorschein.